Schmerzen und Lahmheit: der Kreuzbandriss des Hundes

13. März 2018


Nach dem Sprung verletzt sich der Hund Ella am Kniegelenk

 

 

Plötzliche Lahmheit und Schmerzen nach einer unglücklichen Bewegung im Knie, so beginnt oft die Leidensgeschichte von Hunden mit einem Kreuzbandriss. Die besondere Anatomie im Kniegelenk der Hundeartigen bedingt eine große Scherkraft bei der Bewegung des Gelenkes. Dank der modernen Chirurgie kann man für den Vierbeiner eine gute Prognose stellen. Und dennoch kann sich als Spätfolge eine Arthrose entwickeln.

 

Bei einem Kreuzbandriss wird das Kniegelenk instabil. Durch die TTA (Tibial Tuberositas Advancement) erreicht man eine Festigung des Gelenkes. Durch eine partielle Trennung des vorderen Teils des Schienbeins und eine Korrektur mit einem Implantat erreicht man eine Festigung des verletzten Knies.

 

Ella, eine 20 kg schwere Mischlingshündin, liebt es auf diesem Steilhang am Satzberg rauf und runter zu laufen. Mitten auf der steilen Wiese liegt ein alter Baumstamm. Ella kann sehr elegant über das Hindernis springen. Am letzten Sonntag hat sie beim Aufsetzen nach dem Sprung laut aufgejault. Sie hat Ihren Lauf jäh beendet und ist auf drei Beinen zum Besitzer gehumpelt. Am Abend wollte Sie sich nicht mehr viel bewegen; aber richtig losgegangen ist die Lahmheit erst am nächsten Morgen.

Wie erkenne ich einen Kreuzbandriss bei meinem Hund?

a)      Lahmheit: eine Störung des Gangbildes. Durch Beobachtung des Hundes kann man das nicht physiologische Gangbild erkennen. Durch die Kniegelenksschwellung und die sich daraus ergebenden Schmerzen kommt es zur Lahmheit.

b)     Kniegelenksschwellung: Stunden nach der Verletzung des Kreuzbandes bildet sich im Kniegelenk durch eine Entzündungsreaktion eine große Menge an Flüssigkeit. Die Gelenkskapsel füllt und spannt sich. Beim Tasten fühlt sich das Kniegelenk nicht nur geschwollen, sondern auch warm, mitunter heiß an.

c)      Der Entzündungsprozess bedingt eine starke Schmerzempfindung. Vor allem das Aufsetzen auf der Pfote ist extrem schmerzhaft. Der Hund entlastet die verletzte Extremität und versucht auf drei Beinen zu gehen.

Warum ist bei Ella das Kreuzband gerissen?

Sie ist doch immer wieder über Hindernisse gesprungen und hat sich ja auch bisher nichts getan.

Wir haben in den letzten Jahren eine Zunahme an Kniegelenksproblemen und insbesondere einen Anstieg an Kreuzbandrissen feststellen können und dabei spielt das Alter eine wichtige Rolle. Großwüchsige Hunde können schon ab dem 5., kleine Hunde ab dem 9. Lebensjahr diese Verletzung erleiden. Warum gerade kastrierte Hunde häufiger unter den Patienten zu finden sind, ist nicht ganz klar; die Größe der Rasse ist als Risikofaktor hingegen offensichtlich. Der wohl wichtigste Grund warum gerade Hunde an Kreuzbandrissen leiden, hat mit dem ungünstigen Winkel im Kniegelenk zu tun. Bei bestimmten Hunderassen hat man Winkel unter 25°. Hier muss die Krafteinwirkung gar nicht übermäßig groß sein. Weiters weiß man, dass ab dem 4.-5. Lebensjahr eine konstante, stetig fortschreitende Degeneration der Kreuzbänder einsetzt. Die Bänder verlieren an Zug- und Spannkraft.

Wie kann man einen Kreuzbandriss diagnostizieren?

 Schematische Darstellung des Kniegelenkes beim Fleischfresser

 

Da die Lahmheit von Ella am nächsten Tag nicht besser wurde, hat die Besitzerin ihre Hündin zum Tierarzt gebracht. Im Zuge eines orthopädischen Untersuchungsgangs hat er Schmerzen am Kniegelenk festgestellt sowie erhöhte Wärme und eine Schwellung erhoben. Durch Druckproben am Gelenk konnte er die sogenannte Schublade auslösen. Dabei konnte er den Ober- und Unterschenkel gegeneinander verschieben. Dies ist deshalb möglich, weil die Kreuzbänder, die ja diese Bewegung behindern sollten, gerissen sind. Das Kniegelenk ist instabil und weist eine erhöhte Beweglichkeit aus.

Der Schubladentest dient der klinischen Diagnose der Ruptur des vorderen bzw. hinteren Kreuzbandes (Kreuzbandriss). Durch Prüfung der Parallelverschiebung im Kniegelenk kann eine Verletzung der Kreuzbänder erkannt werden. Beim Hund kann der Schubladen- durch den Tibiakompressionstest ergänzt werden.

Nach der klinischen Untersuchung wird der Tierarzt zur Bestätigung seines Verdachts ein Röntgenbild vorschlagen. Am Bild beurteilt er die Stellung der Oberschenkel- und Unterschenkelknochen zueinander, die Schwellung der Gelenkskapsel und andere Hinweise. Zur Vertiefung der Diagnose und bei unklaren Fällen wird er zu einer Computertomografie raten. Diese Untersuchung eignet sich besonders, um Haarriss- bzw. kleinste Absprengfrakturen an der Gelenksfläche zu erkennen. Weiters lässt sich so auch gut die Gelenksscheiben ,die Menisci, beurteilen, die oft infolge der Kreuzbandverletzung umklappen und so zu postoperativen Komplikationen führen können.

 

Therapieoptionen: die Kreuzband OP

Der Kreuzbandriss des Hundes wird entweder mit konservativen oder chirurgischen Methoden behandelt. Nach einem Beratungsgespräch, einer klinischen Untersuchung und guten Röntgenbilder werden Tierarzt und Hundebesitzer gemeinsam entscheiden, welche Methode geeignet ist.

Tibial Tuberositas Advancement (TTA)

TTA ist eine Methode, um ein instabiles Kniegelenks nach der Ruptur des vorderen Kreuzbandes zu korrigieren. Dabei wird der vordere Teil des Schienbeins abgelöst und mit einem Implantat versehen. Dies wirkt den Scherkräften im verletzten Kniegelenk entgegen. Die derzeit fortschrittlichste Methode ist die TTA RAPID©.

Vorteile:

  • einfaches Implantat, kurze Operationszeit
  • geringere Narkosebelastung
  • minimales Infektionsrisiko

Kommentar

Betrachtet man den langfristigen Heilungserfolg, so gibt es keine großen Unterschiede zwischen TTA und TPLO. Kurzfristig berichten viele Hundebesitzer, dass die Heilung und die Belastbarkeit unmittelbar nach der Operation bei der TTA sehr rasch erfolgt und die Schmerzen sehr gering sind.

Tibial Plateau Leveling Osteotomy (TPLO)

Bei der TPLO wird mit einem Sichelschnitt das Schienbein durchtrennt und mit Hilfe einer patentierte sogenanten TPLO-Platte in einer veränderten Stellung wieder verschraubt. Mit der veränderten Stellung wird in der Bewegung der Vorschub des Gelenkes abgefangen. Dies kann ja nicht mehr durch das gerissene Kreuzband gewährleistet werden. Ebenso wie bei der TTA werden die notwendigen Kräfte zur Bewegung des Kniegelenks transponiert.


Mögliche Komplikationen für TTA und TPLO

  • Meniskusriss
  • Fraktur des Schienbeins
  • Luxation der Kniescheibe
  • Abstoßung des Implantats
  • Infektion
  • Leck Granulom: durch den Druck des Implantats einerseits und den Wundschmerz andererseits kann der Hund anfangen, die Schnittstelle intensiv zu belecken.

 Andere chirurgische Methoden

Die Kapselraffung und/oder Haltebandtechnik sind ältere Methoden, die heute noch bei der Katze eine valide Alternative darstellen. Beim Hund sind die beiden oben beschriebenen Methoden „state of the art“.


Kategorien: Chirurgie, Hund, Kreuzbandriss

Geschrieben von: Maurizio Colcuc